Regionale 2025 und InHK Stadt Blankenberg

Für das Förderprogramm „Regionale 2025“ plant die Stadt Hennef Maßnahmen für unterschiedliche Themenbereiche, die Stadt und Burg Blankenberg aufwerten sollen. Parallel wird 2019 das „Integrierte Handlungskonzept Stadt Blankenberg (InHK)“ fortgeschrieben. Ziel ist es, Stadt Blankenberg als attraktiven Wohn- und Lebensraum zu stärken und gleichzeitig als touristisches Highlight der Region weiter zu positionieren.

Die Geschichte von Stadt und Burg

Stadt Blankenberg verdankt seinen Ursprung der von den Grafen Heinrich II. und Eberhart II. von Sayn auf einem Felssporn über der Sieg errichteten Burg. Anfang des 13. Jahrhunderts machten sie die 1181 erstmals erwähnte Burg zu ihrem bevorzugten Aufenthaltsort. Hauptburg, Vorburg und die von der Burganlage getrennte Altstadt mit einer Fläche von 1,6 Hektar sind im 12. Jahrhundert auf dem Bergrücken angelegt worden. Für den Ausbau und die Sicherung ihres Territoriums verliehen 1245 Graf Heinrich und Gräfin Mechthild von Sayn den Bürgern von Blankenberg Freiheit und Stadtrecht, Jahr- und Wochenmarkt und die freie Schöffenwahl. Die Befestigung der Neustadt geht auf diese Zeit zurück. 1246/47 fiel Blankenberg an die Heinsberger. 1363 kamen Burg, Stadt und Amt Blankenberg an die Grafen von Berg.

Nach Zerstörungen im 30-jährigen Krieg im 17. Jahrhundert sank Stadt Blankenberg zur Bedeutungslosigkeit herab. In französischer Zeit verlor es 1805 die Stadtrechte und wurde als Landgemeinde der „Mairie Hennef“ zugeordnet. Haupttätigkeit der Stadtbewohner blieb die Landwirtschaft, bis 1907 auch der Weinbau. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckten Geschichtsfreunde das „Kleinod im Siegtal“. Durch die Eröffnung der Eisenbahn im Siegtal wuchs die Zahl der Besucher*innen und letztlich auch der Einwohner*innen. Nach dem Verlust der Stadtrechte 1805 gelang es den Bürgern bis 1934 einige Selbstverwaltungsrechte zu erhalten. Seit 1954 heißt der inzwischen nach Hennef eingemeindete Ort in Erinnerung an die einstigen Freiheiten „Stadt Blankenberg“.

Nach dem 2. Weltkrieg gab der Heimat- und Verkehrsverein den Anstoß zur Erhaltung des Gesamtdenkmals Stadt Blankenberg. Die Notwendigkeit der Restaurierung von Gebäuden wurde damit erstmals zum generellen Thema. 1978 hat die Gemeinde Hennef einen Bebauungsplan aufgestellt, am 08.01.1988 trat die Denkmalbereichssatzung „Ortskern Stadt Blankenberg“ in Kraft.

Die Burg heute

Von der ehemaligen Hauptburg sind heute nur noch Reste erhalten: Reste des Palas, des Pfortenhauses und spärliche Reste einer Doppelkapelle. Auf der Südseite steht ein mächtiger Bastionsturm aus dem 15. Jahrhundert, an der Nordseite ein runder Bergfried. Durch ihre erhöhte Lage auf der Spitze eines Felssporns mit einem beeindruckenden Blick über das Siegtal hat die Burg eine besondere Wirkung, die heute zahlreiche Touristen anzieht. Auf der Vorburg sind ein starker Rundturm und eine hohe Schildmauer sowie ein Torturm erhalten. Die Vorburg befindet sich im Privatbesitz und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Alt- und Neustadt

Die ehemalige Altstadt ist heute eine Weidenfläche. Sie ist in weiten Teilen ebenfalls in Privatbesitz. Sie bildet ein bisher kaum erforschtes Bodendenkmal. Die Erkundung und Kartierung des Bodendenkmals ist Teil des Integrierten Handlungskonzepts für Stadt und Burg Blankenberg. Ziel ist, die historischen Spuren im Rahmen des zukünftigen Ausstellungskonzepts anschaulich zu vermitteln.

Die Altstadt ist wie Burg und Neustadt ebenfalls von einer Stadtmauer eingerahmt. Diese ist im Süden zur Neustadt hin gut erhalten, in den anderen Bereichen jedoch nur noch fragmentarisch. Südlich der Altstadt schließt der heutige Siedlungsschwerpunkt und erhalten gebliebene historische Ortskern der Neustadt an. Der Katharinenturm im Süden und der Grabenturm im Norden bilden weithin sichtbare, imposante Eingänge zum Ortskern.

Denkmale und Denkmalbereichssatzung

Der Ortskern ist geprägt durch eine gut erhaltene, historische Struktur, die sich durch schmale Straßen und Gassen, den Marktplatz und eine kleinteilige, zumeist zweigeschossige Bebauung auszeichnen. Prägend für Stadt Blankenberg sind Gebäude in Holzfachwerkbauweise. Entlang der Mechthildisstraße, der Katharinenstraße, der Renteigasse, am Marktplatz sowie in der Graf-Heinrich-Straße stehen mehr als die Hälfte der Gebäude unter Denkmalschutz. Der ausgewiesene Denkmalsatzungsbereich Stadt Blankenberg umfasst die Neustadt mit der Stadtumwehrung. Geschützt sind der mittelalterliche Straßengrundriss, die Parzellierung sowie das historische Erscheinungsbild einer Vielzahl der Wohnhäuser des 18. und 19. Jahrhunderts. In diesem Bereich sind ebenfalls zahlreiche Einzeldenkmäler geschützt. Hervorzuheben sind neben der Hauptburg, der Vorburg und den mittelalterlichen Befestigungsanlagen von Alt- und Neustadt vor allem die beiden Stadttore, das aus dem 13./14. Jahrhundert stammende Katharinentor und das Grabentor sowie die aus dem 13. Jahrhundert stammende Pfarrkirche St. Katharina. Als prägnante Bauten im Ortsbild sind außerdem das Runenhaus, die ehemaligen Schulgebäude am Markt und an der Mechthildisstraße zu nennen.

Bodendenkmale

Der gesamte Bereich der Burg mit Altstadt und Neustadt ist als Bodendenkmal geschützt. Darüber hinaus ist das historische Straßen- und Wegenetz des Ortes weitgehend erhalten und Teil des Denkmals. Bemerkenswert sind auch die historischen Hohlwege. Der Hohlweg Scheurengarten am Fuße der südseitigen Stadtbefestigung ist ein künstlich ausgehobener ehemaliger Wehrgraben und damit integraler Bestandteil der historischen Befestigungsanlagen. Die nach Süden orientierte, mauerseitige Böschung wird zudem bis heute als Weinberg genutzt und ist mit seinen erhaltenen Trockenmauern und Terrassierungen Teil der historischen Kulturlandschaft in und um Stadt Blankenberg, die Spuren weiterer historischer Weinberge umfasst. Der am Katharinenturm endende Hohlweg der Eitorfer Straße in Richtung Süchterscheid bildet die historische Wegverbindung von Osten zum Hügelrücken von Stadt und Burg. Er war bereits für den Materialtransport zum Bau der Burg von Bedeutung. Die künstliche Ausbildung als Hohlweg verbesserte zudem die Möglichkeit der Kontrolle und die Verteidigung des Städtchens. Der Hohlweg der Eitorfer Straße ist zwar kein eingetragenes Denkmal, jedoch ein für die historische Kulturlandschaft wichtiges Relikt.

Checkliste: Was war, was kommt?

Am 15.03.2017 hat der Ausschuss für Dorfgestaltung und Denkmalschutz den Beschluss gefasst, für Stadt Blankenberg ein Integriertes Handlungskonzept zu erstellen. Der zu entwickelnde Teilbereich umfasst das im nebenstehenden Plan gekennzeichnete Gebiet.

Was ist bereits geschehen, was passiert noch?

  1. Beschluss des Dorfausschusses, für Stadt Blankenberg ein Integriertes Handlungskonzept zu erstellen. – Erfolgte am 15.03.2017.
  2. Bürgerworkshop in Stadt Blankenberg. – Erfolgte am 26.6.2017.
  3. Zwischenbericht im Dorfausschuss. – Erfolgte am 10.10.2017.
  4. Erste Informationsveranstaltung für Bürger*innen. – War am 16.10.2017.
  5. Erste Präsentation Tourismuskonzept für Stadt Blankenberg im Dorfausschuss. – Erfolgte am 14.3.2018.
  6. Workshop „Situation, Ziele, Strategien, Positionierung, erste Projekte und Maßnahmen“. – Erfolgte am 17.5.2018 in Stadt Blankenberg.
  7. Verkehrsuntersuchung Stadt Blankenberg. – Erfolgte 2017-2018.
  8. C-Status der Regionale-2025-Agentur als klare Förderperspektive für das Gesamtprojekt und seine einzelnen Bausteine. – Erfolgte am 27.8.2018.
  9. Präsentation Tourismuskonzept und Integriertes Handlungskonzept Stadt Blankenberg im Dorfausschuss. – Erfolgte am 26.09.2018.
  10. Änderung des Flächennutzungsplans. – Beschluss zur Änderung im Dorfausschuss vom 19.3.2019.
  11. Aufstellung von Bebauungsplänen. – Beschluss zur Änderung im Dorfausschuss vom 19.3.2019.
  12. Planungswettbewerb für das Kultur- und Heimathaus und die Feuerwehr. – Ausschreibung im April 2019.
  13. Die Planung der Brücke ist erst möglich, wenn der Wettbewerb für das Kultur-und Heimathaus abgeschlossen ist, weil erst dann die genaue Position des Brückenkopfs festgelegt werden kann.
  14. Neubau Feuerwehrgerätehaus unmittelbar in der Nähe des heutigen Gebäudes.
  15. Nach dem Umzug der Feuerwehr: Bau des neuen Kultur- und Heimathauses anstelle des Bisherigen Feuerwehr.
  16. Bau der Fußgängerbrücke.
  17. Sanierung und Bau des Panoramaweges.
  18. Einrichtung der Bauhütte und Beginn der Sanierung der Mauer.

Was ist geplant?

Mehrere konkrete Maßnahmen sind geplant:

Kultur- und Heimathaus

Der Kristallisationspunkt des InHK Stadt Blankenberg ist es, den Bereich südlich der Neustadt und unmittelbar südlich der historischen Wehranlage des Hohlwegs „Scheurengarten“ am Standort der Feuerwehr zu entwickeln. Hier soll ein Gemeinschaftshaus und Besucherzentrum, das „Kultur- und Heimathaus“ für Stadt Blankenberg, entstehen. Zudem muss das in die Jahre gekommene Feuerwehrgerätehaus durch einen Neubau ersetzt werden, damit die Feuerwehr in Stadt Blankenberg allen modernen Anforderungen an den Brandschutz gerecht werden kann. Das Kultur- und Heimathaus soll folgende Einrichtungen beherbergen:

  • einen multifunktional nutzbaren Saal als Veranstaltungsort für die Dorfgemeinschaft sowie weitere Veranstaltungen, Tagungen und Schulungen (z.B. für die Feuerwehr),
  • ein Besucherzentrum für Besucher von Stadt und Burg mit einer Tourist-Info, einem Laden für regionale Produkte, einer Caféteria, einem Ausstellungsraum zur Geschichte der Kulturlandschaft und für wechselnde Ausstellungen
  • und ein Depot für das Heimatmuseum im Katharinenturm.

Im Außenbereich sollen Parkplätze für Besucher entstehen sowie ein Picknickbereich und eine Kulturscheune für Veranstaltungen und Workshops zum Beispiel von Schulklassen oder Kooperationspartnern. Der Parkplatz und der Veranstaltungssaal können von der benachbarten Feuerwehr mit genutzt werden, der Saal zum Beispiel für Schulungen. Insgesamt soll das Kultur- und Heimathaus die Ansprüche der Dorfgemeinschaft, der Heimatpflege und des Tourismus verbinden. Der heutige Spielplatz bleibt übrigens erhalten und wird sogar vergrößert.

Lehrgarten

Unmittelbar am neuen Kultur- und Heimathaus wird ein Lehrgarten entstehen. Er vergegenwärtigt anhand von historischen Obst- und Fruchtsorten und einem Arboretum für Wildobst die Entwicklung der heutigen Kulturlandschaft und die damit zusammenhängende Wirtschafts- und Sozialgeschichte des ländlichen Raums. Der Lehrgarten bildet ein Bindeglied zum Heimatmuseum im Katharinenturm, das die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Stadt Blankenbergs anhand von bäuerlichen und handwerklichen Geräten ausstellt und entsprechende Handwerkstraditionen wiederaufleben lässt.

Panoramaweg

Ein Erlebnis- und Panoramaweg soll entlang der Stadtmauer rund um Stadt Blankenberg verlaufen und die Burg mit einem neuen Besucherzentrum („Kultur- und Heimathaus“) verbinden. Der Panoramaweg ermöglicht fantastische Aussichten ins Siegtal und auf die gegenüberliegenden Hänge und verbindet alle wichtigen Punkte Stadt Blankenbergs. Über diesen Weg wird man die Stadtmauer erstmals in ihrer ganzen Länge umwandern und erleben können.

Fußgängerbrücke

Ausgehend vom Kultur- und Heimathaus ist ein Brückenschlag über den Scheurengarten zum Panoramaweg entlang der Stadtmauer geplant. Ziel ist, dass die Besucher*innen Stadt Blankenbergs eher um die Stadt herumwandern, anstatt durch die Stadt hindurch. Eine Brücke als Verbindung zwischen Kultur- und Heimathaus und dem Panoramaweg bildet dafür die Grundlage. Dennoch soll der Hohlweg als Teil der Befestigungs- und Wehranlagen nicht überdeckt oder versteckt werden, das Denkmal soll weiterhin zu erkennen sein. Die Brücke wird daher als leichte Fußgängerbrücke geplant, die den Denkmalschutz berücksichtigt.

Bauhütte und Sanierung der Stadtmauer

In Zukunft sollen die Pflege und Ausbesserung der Stadt- und Burgmauer von Stadt Blankenberg als laufendes Projekt betrieben werden – so wie man das auch von anderen großen historischen Gebäuden kennt, zum Beispiel vom Kölner Dom. Und ganz ähnlich wie in Köln („Dombauhütte“) soll auch in Stadt Blankenberg eine Bauhütte errichtet werden. Eine Bauhütte bietet außerdem die die Chance, Instandhaltung und Pflege der Mauer mit der Wissensvermittlung – zum Beispiel Führungen – und Mitmachangeboten für Besucher*innen zu verbinden. Die Bauhütte soll unmittelbar am Parkplatz vor der Burganlage entstehen.



Was ist ein Integriertes Handlungskonzept (InHK)?

Ein integriertes Handlungskonzept (InHK) ist ein strategisches Planungs- und Steuerungsinstrument der Stadtentwicklung. Strategische Planungsinstrumente ergänzen zunehmend die konkrete Bauleitplanung. Ein integriertes Handlungskonzept beruht auf der ganzheitlichen Betrachtung eines städtischen Teilraumes bzw. eines Stadtquartiers. Mit seiner Hilfe können städtebauliche, funktionale oder sozial-räumliche Defizite und Anpassungserfordernisse aufgezeigt und bearbeitet werden. Die integrierte Handlungsstrategie beruht auf einer Schwächen- und Potentialanalyse. Neben einer Bestandsaufnahme enthält das Konzept die Beschreibung einer Gesamtstrategie und beschreibt wesentliche Handlungsfelder und Maßnahmen, die geeignet sind, die Gebietsentwicklung positiv zu beeinflussen. Zudem wird die Zeit- und Investitionsplanung für die Umsetzung des Handlungskonzeptes offen gelegt. (Quelle: Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, „Integrierte Handlungskonzepte in der Stadtentwicklung“, Düsseldorf, 2012) 

Folgende Bausteine sind in einem Integrierten Handlungskonzept zu erarbeiten: Analyse der Ausgangssituation in Form einer Stärken-Schwächen-Analyse; Festlegung des Programmgebietes; Definition von Zielen; Formulierung von daraus abgeleiteten Handlungsansätzen und Maßnahmen der Gebietsentwicklung; Erstellung eines Maßnahmen- und Finanzierungskonzepts; Durchführung einer Öffentlichkeitsbeteiligung. Das Integrierte Handlungskonzept dient dazu in das Städtebauförderprogramm aufgenommen zu werden.