Schulcampus dauerhaft autofrei

Schulcampus dauerhaft autofrei

Der im April 2023 gestartete Verkehrsversuch zum autofreien Schulcampus in Hennef wird mit Beschluss des zuständigen Ratsausschusses für Stadtplanung und Wohnen beendet. Einstimmig sprach sich der Ausschuss am 27. Februar 2024 dafür aus, den Schulcampus dauerhaft autofrei zu gestalten und die Sperrung der Fritz-Jacobi-Straße beizubehalten.

Im Ausschuss stellte das Verkehrsplanungsbüro BSV die Evaluation des Verkehrsversuchs vor. Insgesamt haben fünf Verkehrszählungen stattgefunden, zwei vor dem Versuch und drei während der Versuchsphase. Zwischen den Zählungen im August und im Dezember letzten Jahres ergaben sich trotz der winterlichen Witterungsverhältnisse keine wesentlichen Verschiebungen mehr, sodass der Versuch nun beendet werden konnte. Die Verkehre haben sich auf die dafür vorgesehenen klassifizierten Straßen verlagert, das Verkehrssystem hat sich eingespielt. Insgesamt sind die Verkehrsströme etwas geringer geworden, woraus die Verkehrsexperten auch eine Verlagerung vom Autoverkehr auf den Fuß- und Radverkehr schließen.

Im Ergebnis stellt der Bericht fest: „Abschließend sind die verkehrlichen Auswirkungen der Sperrung der Fritz-Jacobi-Straße als überwiegend positiv zu bewerten. Damit stehen aus verkehrlicher Sicht einer Verstetigung des Verkehrsversuchs keine Einwände entgegen.“

„Der Verkehrsversuch zum autofreien Schulcampus war mutig, professionell durchgeführt und im Ergebnis erfolgreich. Täglich fahren heute rund 5.700 Fahrzeuge weniger mitten durch unser Schulzentrum. Dies ist ein großer Gewinn für die Sicherheit der über 4.000 Schülerinnen und Schüler und erhöht die Aufenthaltsqualität im Bereich der vier Schulen auf dem Schulcampus erheblich. In Abwägung aller Ergebnisse und Beobachtungen überwiegt eindeutig der Nutzen der neuen Verkehrsführung. Nach dem erfolgreichen Verkehrsversuch kann es nun an die Planung eines durchgehenden Campus-Boulevard mit Umbau der Straßenfläche zwischen den Schulgebäuden gehen“, so Bürgermeister Mario Dahm.

Die Auswertung des Verkehrsversuchs

Die Auswertung der Verkehrsströme durch das Büro BSV belegt, dass das Schulzentrum nicht mehr als Abkürzung zur Autobahn durchfahren wird. Der Verkehr auf der Fritz-Jacobi-Straße ist um 99 Prozent zurückgegangen, im Bereich des Baumarktes immerhin noch um 41 Prozent (40%, in Klammern Daten aus August), zwischen Königstraße und Theodor-Heuss-Allee um 62 Prozent (61%) und auf der Theodor-Heuss-Allee Richtung Geistinger Kreisel um 16 Prozent (13%). Verlagert hat sich der Verkehr auf die klassifizierten Landesstraßen: Auf der Frankfurter Straße hat der Verkehr um 25 Prozent (21%), auf der Bonner Straße um 14 Prozent (9%) zugenommen. Zur Verbesserung des Verkehrsflusses auf der Frankfurter Straße empfehlen die Verkehrsplaner eine abgestimmte Schaltung der Ampeln an der Königstraße und der Beethovenstraße.

Immer noch zu viel unberechtigter Durchgangsverkehr fährt durch die Königstraße, die auch nach dem Verkehrsversuch weiter Fahrradstraße bleibt. Das Befahren mit Kraftfahrzeugen ist grundsätzlich verboten, Anlieger sind ausgenommen, dürfen den Fahrradverkehr aber nicht gefährden. Die Verkehrsbelastung hat seit der ersten Verkehrszählung nach Beginn des Verkehrsversuches zwar abgenommen, abzüglich der Anwohnenden von Kegelswies und Keplerstraße fahren nach Schätzung des Büros BSV aber noch rund 375 Fahrzeuge entgegen der Anlieger-Regelung durch die Königstraße.

Der komplette Bericht kann hier eingesehen werden.

Rahmenplan Schulcampus

Der Verkehrsversuch wurde nach den Regelungen der Straßenverkehrsordnung durchgeführt, um die im Rahmenplan Schulcampus erarbeitete Idee eines durchgehenden, attraktiven und sicheren Campus-Boulevards in der Praxis auf Umsetzbarkeit zu testen. Die Arbeit am Rahmenplan kann mit Ende des Verkehrsversuches nun abgeschlossen werden. Diese Planung bildet die Grundlage für die nächsten Jahre zur Entwicklung des Schulcampus.

Der Verkehrsversuch beinhaltete die Sperrung der Fritz-Jacobi-Straße für den Durchgangsverkehr mittels einer Schrankenanlage, die Einrichtung einer Fahrradstraße in der Königstraße, die Schaffung einer Fußgängerampel auf Höhe der Gartenstraße, die Einrichtung von Elterntaxihaltestellen sowie die Schaffung weiterer Parkplätze für die Lehrkräfte am Campus. Begleitet wurde der Verkehrsversuch von einer breiten Öffentlichkeitsbeteiligung und Informationskampagne. Schulen und Anwohnerinnen und Anwohner wurden über einen „Runden Tisch“ am Prozess beteiligt.