
21 Jan. Stadt Blankenberg: Mauerdurchgang wieder offen

Bürgermeister Mario Dahm (r.), Leiterin der städt. Förderung Anke Trockfeld, Pascal Stangier von der städt. Gebäudewirtschaft und Markus Sandner (hinten) vor dem wieder geöffneten Mauerdurchgang
(dmg) Der Durchgang von der Alt- zur Neustadt der historischen Mauer von Stadt Blankenberg ist wieder freigegeben. Bürgermeister Mario Dahm informierte sich kürzlich vor Ort über den Abschluss der Sanierung: „Ein weiterer wichtiger Schritt unseres Großprojektes ist gemacht. Die Besucher Stadt Blankenbergs, vor allem aber die Bewohnerinnen und Bewohner haben an dieser Stelle nun wieder einen freien Durchgang und eine standsichere Mauer. Eine gute Nachricht! Ich danke den Fachleuten des Büros Sandner Architekten, den Mitarbeiter*innen der verantwortlichen Baufirma und unserem Gebäudemanagement für das Engagement. Gerade dieser Mauerabschnitt ist aufgrund seiner imponierenden Größe und exponierten Lage besonders wichtig und zeigt eindrucksvoll die historische Bedeutung von Stadt Blankenberg.“
Der Mauerabschnitt liegt oberhalb des neuen Hangspielplatzes, die Arbeiten dort hatten Mitte 2024 begonnen. Es handelt sich um Abschnitt M17 von 28 Sanierungsabschnitten entlang der 1.500 Meter langen Stadtmauer. Die Umsetzung des Gesamtprojektes zur Sanierung der mittelalterlichen Stadtmauer wird sich bis in die 2030er-Jahre ziehen.
Der Mauerabschnitt M17 ist rund 35 Meter lang und besteht aus einem Turm sowie der beidseitig des Turmes liegenden Stadtmauer. An diesem Abschnitt waren die äußere Mauerschale und die Mauerkrone in einem desolaten Zustand, die Wasserführung war mangelhaft, der Mauerkern durchfeuchtet und die mittelalterlichen Bogenfüllungen lagen frei. Ziel war es, die Fugen zu sanieren, die Mauerkrone zu ertüchtigen und die Wasserführung zu optimieren, die Bögen und mittelalterlichen Bogenfüllungen zu sichern. Erst während der Bauphase offenbarten sich tiefgreifende Schäden am Turm, die im Rahmen der Sanierung ebenfalls behoben wurden. Für all diese Maßnahmen musste der Durchgang zur Neustadt gesperrt werden.
Forschungsprojekt Grüne Mauerkrone
M17 ist außerdem der Standort für das „Forschungsprojekt Grüne Mauerkrone“. In dessen Rahmen werden zwei Varianten einer begrünten Mauerkrone erprobt:
- Die Mauerkrone mit über 80 cm Breite hat eine Sperrmörtelwanne mit Substratfüllung und eine vollflächige Begrünung mit trockenheitsresistenten, krautigen Pflanzen erhalten.
- Die Mauerkrone mit weniger als 80 cm Breite hat eine Sperrmörtelwanne mit Füllung aus Drainagemörtel und Mauersteinen erhalten. Auch hier wird eine langfristige, extensive Begrünung oberhalb der Drainmörtelfugen angestrebt.
Die Projektidee „Grüne Mauerkrone“ basiert auf der Erkenntnis, dass man kaum verhindern kann, dass sich Pflanzen auf unzugänglichen Mauerkronen ansiedeln. Durch eine gezielte Steuerung des Wasserhaushaltes mittels ausgewählter Substratauflage sollen die negativen Einflüsse einer unkontrollierten Begrünung verhindert werden. Die Ansiedlung von tiefwurzelnden, verholzenden Pflanzen wird auf natürliche Weise unterbunden und das Mauerwerk geschützt. Gleichzeitig schützt die krautige Begrünung die Mauerkrone vor extremen Witterungseinflüssen, während die Sperrmörtelwanne den Mauerkern langfristig vor dem Eindringen von Niederschlagswasser bewahrt. Das Forschungsprojekt wird vom Fraunhofer Institut begleitet. Aus diesem Grund verbleibt ein kleines Gerüst noch rund ein Jahr am Mauerabschnitt.
Hinzu kommen Maßnahmen für die heimischen Fauna: Verbaute Spezialsteinen dienen zukünftig als Brutnischen für höhlenbrütende Vögel. Zudem wurden witterungsgeschützte Hohlräume geschaffen, die von Fledermäusen gerne als Sommerquartier angenommen werden. Auf diesem Weg sind an den Wänden der Stadtmauer naturähnliche Habitate entstanden, die gleichermaßen dem Erhalt der historischen Bausubstanz als auch dem Artenschutz dienen.
Weitere Informationen zum Forschungsverbundprojekt und der Projektförderung „Zukunft Bau“ des Bundeministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen können über folgenden Link abgerufen werden: https://www.zukunftbau.de/projekte/forschungsfoerderung/1008187-2201.
Kosten und Förderung
Die Kosten für Sanierung inklusive archäologischer Baubegleitung, Umweltbaubegleitung und bauhistorischer Begleitung belaufen sich am Abschnitt M17 auf rund 990.000 Euro und werden gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM-Förderung) und aus dem Denkmalförderprogramm des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes NRW. Das verantwortliche Planungsbüro ist das Büro Sandner Architekten. Die umfangreiche Sanierung der Stadtmauer aus dem Mittelalter ist erforderlich, um das denkmalgeschützte Bauwerk für die Zukunft zu erhalten und die Verkehrssicherheit sicherzustellen.
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Beitrag vom 21.1.2026

